Ad-Hoc-Performances

Ad-Hoc-Performance im Ebertbad, Oberhausen
Ad-Hoc-Performance Ebertbad. Im Bild: Robert Jungk, Zukuftsforscher

Im Jahr 1988 wurde Ronald Blum vom Theater-Architekten Werner Ruhnau (u.a. Gelsenkirchener Musiktheater) angeregt und mehrfach beauftragt, zu Anlässen wie Theater-Einweihung, Preisverleihung oder Ausstellungseröffnung die anwesenden Gäste zu Raumerfahrungen und Mitspiel zu bewegen.

Ronald Blum entwickelte aus diesen Anregungen das Format der Ad-Hoc-Performance. Hierbei bringt er größere Gruppen von Menschen, die er bislang nicht kannte, spontan in Bewegung – die größte Gruppe umfasste bislang 250 Leute. Mitwirkende jeden Alters sind möglich, auch Kinder können je nach Anlass teilnehmen.

Beispiele:

  • 1988: In Zusammenarbeit mit Werner Ruhnau: Ehrung der Sieger des Architekten-Wettbewerbs „Playhouse Amsterdam“ auf dem Schmitzhof in Neukirchen-Vluyn
  • 1989: In Zusammenarbeit mit Werner Ruhnau: Einweihung des von ihm umgebauten Ebertbades/ Oberhausen
  • 1989: In Zusammenarbeit mit Werner Ruhnau im Auftrag des Deutschen Gewerkschafts-Bundes: Anlass der Performance war die Verleihung des DGB-Kulturpreises vom Deutschen Gewerkschaftsbund im Ebertbad Oberhausen an Werner Ruhnau für den Umbau des Ebertbades zum Theater.
  • 1997: Anlässlich des 60. Geburtstages von Karl Ganser (Geschäftsführer der Intern. Bauausstellung Emscherpark): Landschafts-Erfahrung des Rheinelbeparks/ Gelsenkirchen im Morgengrauen
  • 1997 im Auftrag der IBA Emscherpark: Ausstellungseröffnung des Landschaftsparks Mechtenberg
  • 1998: Ad-Hoc-Performance bei der Ausstellungseröffnung „vivat pax“ im Westfälischen Landesmuseum Münster anlässlich des 350. Jahrestages des Westfälischen Friedens
  • 1999: Ad-Hoc-Performance anlässlich der Eröffnung des Museums Zeche Zollern in Dortmund
  • 2002: Ad-Hoc-Performance anlässlich der Fachtagung des BKJ in der Akademie Remscheid
  • 2004: Eröffnungs-Performance mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen anlässlich der Fachtung „Kinder spielen Theater“ in Frankfurt
  • 2006: Berlin: Ad-Hoc-Performance mit Theater-Pädagogen anlässlich des Theaterpädagogischen Fachforums „Sichten Vlll“ im FEZ-Berlin
  • 2006: Ad-Hoc-Performance „Raumerfahrungen“ anlässlich der Ausstellungseröffnung mit Exponaten von Werner Ruhnau im Atelier kunstwerden

In seinem Buch „Die Kunst des Fügens“ aus dem Jahr 2004 nennt Ronald Blum die Ad-Hoc-Performance noch anders. Er spricht von der „Begleiteten Mitspiel-Performance“ und beschreibt sie folgendermaßen (S. 200):

Eine weitere Anwendungsform ist die ‚Begleitete Mitspiel-Performance‘. Sie eignet sich hervorragend, wenn bei besonderen Anlässen den Gästen eine Möglichkeit geboten werden soll, für kurze Zeit gemeinsam aktiv und kreativ zu werden, ohne vorher dafür geübt zu haben. Anlässe sind bei erwachsenen Mitspielern z.B. Tagungen oder Eröffnungen, bei Kindern Weihnachtsfeiern oder Schulfeste.

Ziel ist, dass das Spiel schnell realisiert und möglichst wenig unterbrochen wird. Bei den Spielangeboten, die teils vorbereitet sind und teils spontan initiiert werden, handelt es sich z.B. um Spiele mit dem Raum, der Natur oder Objekten […]. Spiele mit mentalen Vorstellungen weiten sich bei Kindern schnell zu phantastischen Geschichten aus. Der Spielleiter begleitet die laufenden Aktionen verbal und ggf. musikalisch.

Meistens machen nicht alle anwesenden Gäste mit, sondern ein Teil schaut zu, so dass eine Art Auftrittssituation entsteht. Natürlich kommt es nicht zu künstlerisch herausragenden Performances, denn da nicht vorher geübt, sondern alles sofort realisiert wird, müssen die Aufgabenstellungen sehr einfach gehalten werden, selbst bei der Arbeit mit einem Fachpublikum von Tänzern. Als Improvisationsbegleiter finde ich hier aber meine größte Herausforderung: Meistens lerne ich die Gruppe erst zu Beginn der Performance kennen. Auch die Teilnehmer sind sich untereinander oft fremd. Erst nachdem ich die Gruppe gesehen habe, entscheide ich, wie die Performance beginnen soll. Die Beobachtung der Teilnehmer und die genaue Wahrnehmung der gesamten Situation sind meine Inspirationsquellen für die weitere Entwicklung.

Manchmal verwerfe ich sogar meine Vorbereitungen und gestalte die gesamte Performance aus dem Stegreif heraus, wie z.B. im März 2004 bei einer Tagung von Theaterpädagogen in Hannover. Ich war für eine Begleitete Mitspiel-Performance engagiert, bei der ich Spiele mit Stühlen anregen sollte. Da die Stühle entgegen unserer Erwartung zu Beginn der Performance nicht im Raum verteilt, sondern am Rand standen, dachte ich: Ich nutze den leeren Raum zunächst, ohne die Stühle einzusetzen. Die Performance entwickelte sich allerdings so schlüssig, dass ich zu den Stühlen nicht mehr kam. Die Veranstalter, die selber mitgespielt hatten, waren darüber nicht böse, im Gegenteil. Sie stimmten mir zu, dass eine Einbeziehung der Stühle nicht nötig war und möglicherweise den Spannungsbogen unterbrochen hätte.

Häufig kombiniere ich eine Begleitete Mitspiel-Performance mit der Darbietung eines Improvisierten Stücks wie z.B. bei der Eröffnung der Kinder- und Jugendausstellung ‚vivat pax‘ im Westfälischen Landesmuseum in Münster im Jahr 1998. Neben mir selber in der Rolle des Todes und einigen Darstellern meiner damaligen Kompanie wirkte auch eine meiner Kindergruppen mit. Darüber hinaus integrierten wir phasenweise bis zu 100 Publikumskinder in die Performance […]. Sie spielten eine Schlacht nach, die mit sehr vielen Besiegten endete. Gerade durch die riesige, unübersichtliche Menge von Kämpfenden wurde die Thematik der Ausstellung, der Dreißigjährige Krieg, für die jungen Gäste sinnlich erfahrbar. Die abschließenden versöhnlichen Gesten der mitspielenden Kinder […] versinnbildlichten wiederum den Anlass der Ausstellung: das 350. Jubiläum des Westfälischen Friedens. Der politisch sehr engagierte, Ende 2003 verstorbene palästinensische Künstler Burhan Karkutli, der bei dieser Performance die Schminkmasken meiner Kindergruppe gemalt hat, sprach nach der Aufführung begeistert von ‚aktiver Friedenserziehung‘.

25.05.24

Ursula Kaufmann fotografiert Schülerinnen von SCALA11

Sticks around

Choreographie: Ronald Blum

Im Rahmen eines Projektes vom Netzwerk Moderner Tanz unter der Schirmherrschaft der UNESCO:

Uraufführung des Stücks „Sticks around“ im Tanzstudio SCALA11, Essen
Weiterhin:
„Ever Changing 1“
„Ever Changing 2“

19.00 bis 20.00 Uhr
Eintritt frei, Spenden werden gerne gesehen.

Tanzende: Kinder und Jugendliche im Alter von 9 bis 19 Jahren
Choreographien: Ronald Blum

Foto: Ursula Kaufmann

demnächst